 Browsergames - Kommerz im Nacken
Früher war alles besser, so sagt man. Es gab eine Zeit, in der Computerspiele
mehr eine Ansammlung kreativer Energien war, als weniger eine Präsentation
der neuesten technischen Errungenschaften. Das Computerspiel musste sich in
einen beschränkten technischen Rahmen einpassen, somit rückten Spiellogik
und Inhalt in den Vordergrund. Denn es war so: Weder die technische Entwicklung
noch der wirtschaftliche Vertrieb hatten große marktwirtschaftliche Anteile.
Computerspiele entwickelten sich in kleineren Kreisen, die Anzahl der Neuerscheinungen
pro Jahr war relativ überschaubar. Monatelang fieberte man auf die Fortsetzungen
seines Lieblingsspiels hin, und wenn es dann erschien, blätterte man gerne
annähernd 100 Mark für die 10-Disketten Version seines Games hin.
Dazu kamen einige wenige Computer-Spiele-Zeitschriften, die heute müßig
erscheinende Details an ein interessiertes Publikum brachten.
Heute ist es so: Die Anzahl der Spiele-Neuerscheinungen pro Jahr ist immens
groß geworden, auf dem Markt exisiteren nicht nur eine Unzahl von Games,
sondern auch dutzende Computer-Spiele-Zeitschriften und tausende von Internetseiten.
Kauft man sich ein Spiel, so kann man sich oftmals nicht sicher sein, ob man
denn nun ein echtes Stück Qualität in den Händen hält, oder
eher eine verbuggte Grafik-Engine Demo, weil man 1 Woche zuvor auf einen unseriösen
Bericht in einem Gaming-Magazin hereingefallen ist. Ein unschöner Trend.
Blicken wir auf die Browsergaming-Szene, so lassen sich auch hier ähnliche
Tendenzen ablesen. Das Browsergame an sich war früher eine Programmierer-Spielwiese,
fernab von Page-Ranks, Ad-irgendwas und horrenden User-Zahlen. Im romantischen
Idealfall war das Browsergame ein Spiel von Gamern für Gamer. Doch mittlerweile
scheint auch hier der kommerzielle Faktor seine unschönen Linien zu ziehen.
Große Firmen stellen Programmierer und Grafiker ein, adaptieren ein einfaches
Spielprinzip, und pushen das Game durch ihre eigenen Internet-Portale und hohe
Zahlungen an „das Marketing“. Nicht dass dies unbedingt die Qualität
der Spiele erhöhen würde, eher finden sich populistische Neu-Adaptionen
alter Inhalte.
Auf der Strecke bleibt hierbei der Idealismus des Prinzips Browsergame. Hobby-
und semiprofessionelle Entwicklern bleibt das Nachsehen, sie können sich
nicht mit der Marketing-Zugkraft der Großen messen, auch wenn ihr eigentliches
Spiel qualitativ höherwertig ist. Eine Geschichte ähnlich der Offline-Spiele.
So bleibt am Ende nur der Vergleich: Ein Hobby- bzw. Semi-Professionelles Game
bietet dem Spieler einen Idealismus und eine Romantik von Gamer-Ethik die ihm
ein kommerzieller Riese niemals bieten kann. Denn nur wer das Spiel auch sein
eigen nennt, hat auch entsprechende qualitative Ansprüche an dieses, nicht
gering bleibt die Zahl der Admin die ihr „Herzblut“ in ihr Game
stecken. Beim Browsergamen geht es eben nicht nur ums spielen an sich, sondern
auch ein Stück weit um „Philosophie“.
H.Flier
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